Auschwitz und die braune Seite des Naturschutzes

Gedenkstättenfahrt vom 05.-11.11.2025

© NAJU | Karoline Kraft

„Es liegt in unserer Verantwortung, aus dem Geschehenen zu lernen und dieses Wissen zu nutzen, sich im Verband sowie im alltäglichen Leben gegen den Rechtsdruck stark zu machen.“ (Teilnehmer*in der Fahrt)

Naturschutz und extrem rechte Ideologien haben in Deutschland in Teilen eine lange gemeinsame Geschichte. Diese macht auch vor Auschwitz nicht halt. Im Gegenteil. Während das Konzentrationslager ein Ort menschlicher Vernichtung war, fanden zugleich Kartierungen und ornithologische Beobachtungen statt, wurden Pläne zur Begrünung von Auschwitz und der Errichtung einer „deutschen Musterstadt“ im Rahmen des Generalplan Ost erstellt. In Auschwitz treffen damit extreme und paradoxe Gegensätze aufeinander, wie an kaum einem anderen Ort. Zwischen 1940 und 1945 wurden schätzungsweise rund 1,3 Millionen Menschen dorthin deportiert, etwa 1,1 Millionen wurden ermordet.

 

Mit diesem Teil der deutschen Naturschutzgeschichte haben sich Anfang November 2025 13 NAJU-Aktive im Rahmen einer einwöchigen Gedenkstättenfahrt intensiv auseinandergesetzt. 

© NAJU | Karoline Kraft

Welche Rolle spielten Naturschutz und Landschaftsplanung im Nationalsozialismus im Allgemeinen und im Konzentrationslager Auschwitz sowie der angrenzenden Kleinstadt Oświęcim, die von den Nationalsozialisten in Auschwitz umbenannt wurde, im Konkreten? Wie ist die Arbeit des Botanikers und Pflanzensoziologen Reinhold Tüxen einzuordnen, der das Gelände um Auschwitz herum kartieren ließ? Welche Rolle kam dem Landschaftsanwalt Werner Bauch zu, der als Grünplaner von Auschwitz bekannt wurde? Welche Funktion übernahm der Reichslandschaftsanwalt Alwin Seifert? Was muss man über den Landschaftsarchitekten Heinrich Wiepking-Jürgensmann wissen, der „Sonderbeauftragter des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums“ war und maßgeblich am Generalplan Ost beteiligt und in diesem Rahmen für die Landschaftsgestaltung und Landschaftspflege der eroberten Ostgebiete zuständig war?

© NAJU | Karoline Kraft

Was ist über den Ornithologen und SS-Obersturmführer Günther Niethammer bekannt? Dieser gehörte „zu jenem anfangs überaus exklusiven Kreis der SS-Angehörigen, die den Aufbau des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau ab Oktober 1941, die ersten Versuche in den Gaskammern und schließlich den Beginn von Selektion und Massenvernichtung im Sommer 1942 unmittelbar miterlebten“, so der Historiker Swen Steinberg. Niethammer war als SS-Mitglied und Mitglied der Konzentrationslager-Wachmannschaften in Auschwitz tätig, bis er im Oktober 1942 abkommandiert wurde. Um seinen ornithologischen Interessen nachkommen zu können, bemühte er sich im Lager um weitere Aufgaben. So erhielt Niethammer von Rudolf Höß „ornithologische Sonderaufgaben“. Er war mit der Dokumentation der Avifauna um Auschwitz beauftragt. Dazu hatte er auch Zutritt zum Lager und zu den Bereichen, in denen das Vernichtungslager Birkenau entstand. Seine Dokumentation veröffentlichte er unter dem Titel „Beobachtungen über die Vogelwelt von Auschwitz“. 


Wo wirkten diese NS-Akteure nach Ende des Krieges in Ost- und Westdeutschland lange Zeit unbehelligt an Universitäten, zivilgesellschaftlichen und staatlichen Einrichtungen – oft an hohen Stellen – weiter ? Welche Rolle spielte der NABU in der NS-Zeit? Und welche Verantwortung tragen wir Naturschutzakteure vor dem Hintergrund dieser Geschichte? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Fahrt.


„Ich kann das Gefühl nicht in Worte fassen, wie es ist, dort vor Ort zu stehen und sich mit dem Leid von unzähligen individuellen Personen konfrontiert zu sehen. Alle, die die Chance haben, sollten sich die Gedenkstätte mit eigenen Augen ansehen. Vor allem mit Blick auf die heutige politische Lage. Denn diese Geschichte darf sich nicht wiederholen.“ – Julina  

Vor der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler in Krakau, © NAJU | Christian Vogt
Vor der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler in Krakau, © NAJU | Christian Vogt

„Das, was uns heute im KZ-Auschwitz begegnet, steht nicht nur für die Gräueltaten der Nazis, sondern zeigt auch unverkennbar die perfide Konstruktion und Umsetzung eines systematischen Massenvernichtungslagers. Es erinnert damit an einen Ort von Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes, an die wir uns erinnern müssen, und verdeutlicht gleichzeitigt auch die Verantwortung, die wir zur Aufklärung und Prävention gegen rechte Ideologien tragen müssen.“ – Isabel 


Bei Fragen wende dich an [email protected].



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