NAJU-Position zur ökologischen Landwirtschaft

Definition und Bedeutung für die NAJU

Fast die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Die Landwirtschaft birgt somit riesige Potentiale, Kulturlandschaften zu erhalten und Naturschutz auf großer Fläche zu verwirklichen. Jedoch ist die intensive Landwirtschaft, wie sie momentan in vielen Regionen betrieben wird, auch für massive Umweltschäden wie Wasserverschmutzung und Artensterben verantwortlich. Außerdem hat sie gravierende Auswirkungen auf die Gestaltung des Landschaftsbildes und daher auf die Erholungsqualität für die Menschen in Kulturlandschaften.

 

Die NAJU fordert deshalb eine ökologisch orientierte, nachhaltige Landwirtschaft, die einen Beitrag zum Erhalt der 6biologischen Vielfalt leistet und somit im Interesse heutiger und künftiger Generationen handelt.

Um dies zu erreichen, fordern wir:

 

1. einen Ausbau der ökologischen Landwirtschaft.

2. die Abschaffung der Massentierhaltung und stattdessen eine artgerechte Tierhaltung.

3. einen weltweiten Verzicht auf die Nutzung grüner Gentechnik.

4. einen massiven Ausbau von regionalen Märkten und Vertriebsketten.

5. Maßnahmen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.

6. einen Wandel von Monokulturen zu artenreicher Kleinfelderwirtschaft.

7. einen Verzicht der Nutzung von invasiven Arten.

8. die Erhaltung und Förderung von Strukturelementen in agrarwirtschaftlich genutzten Flächen.

9. eine umfassende Transparenz gegenüber den Verbrauchern.

10. eine Einschränkung von Agrarimporten.

11. eine Vermeidung von Bodendegradation.

12. das Ende von Lebensmittelspekulationen.

13. langfristige Förderprogramme für eine artenreiche Landwirtschaft. 

 

Begründungen:

Zu 1.: Ökologische Landwirtschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie der Natur im Allgemeinen, genauso wie Boden, Pflanzen und Tieren im : Konkreten, viel weniger Schaden zufügt als konventionelle Landwirtschaft. Sie ist in jedem Bereich nachhaltig und muss daher von der Europäischen Union, dem Bund und den Ländern gefördert werden.

 

Zu 2.: Massentierhaltung schadet der Lebensqualität der Tiere und damit auch ihrer Gesundheit. Zudem wirkt sich die intensive Tierhaltung negativ auf Natur und Umwelt sowie auf die Gesundheit der Menschen aus. Daher ist die Massentierhaltung abzuschaffen und eine artgerechte Haltung verpflichtend einzuhalten.

 

Zu 3.: Chancen und Risiken grüner Gentechnik sind noch zu wenig erforscht, um sie zu nutzen. Schäden für Mensch und Natur wie der Verlust der Biodiversität, die Verdrängung heimischer Arten und mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen des Menschen lassen einen Einsatz der grünen Gentechnik nicht zu. Dies stellt einen irreversiblen Eingriff in die natürlichen Ökosysteme dar. Deshalb muss auf den Einsatz grüner Gentechnik verzichtet werden.

 

Zu 4.: Regionale und saisonale Produkte müssen Vorrang bekommen, da sie eine bessere CO2-Bilanz aufweisen. Außerdem werden regional ansässige Hersteller gefördert.

 

Zu 5.: Jährlich werden in Deutschland elf Millionen Tonnen Lebensmittel unnötigerweise weggeworfen, über 60% davon in Privathaushalten (Quelle: BMELV). Politische Maßnahmen wie die Umstrukturierung des Mindesthaltbarkeitsdatums und die thematische Sensibilisierung müssen durchgeführt werden, um auf allen gesellschaftlichen Ebenen einen Bewusstseinswandel herbeizuführen. Rahmenbedingungen und Anreize für Unternehmen und Konzerne, die zu einem nachhaltigen Konsum führen, müssen geschaffen werden.

 

Zu 6.:  Monokulturen werden in der Landwirtschaft häufig nicht zur Lebensmittelproduktion genutzt. Außerdem wird durch Monokulturen der Lebensraum für viele Tier-und Pflanzenarten zerstört. Artenreiche Kleinfelderwirtschaft unterstützt die Biodiversität. Der Anbau alter, erhaltenswerter Sorten soll gefördert werden.

 

Zu 7.: Unter invasiven Arten versteht man im betreffenden Gebiet nicht heimische Arten, welche sich schnell und unkontrolliert verbreiten, heimische Arten verdrängen und die ursprünglichen Ökosysteme gravierend verändern können. Auf das Ausbringen von invasiven Arten sollte zum Schutz der regionalen Artenvielfalt unbedingt verzichtet werden. 

 

Zu 8.: Strukturelemente wie Hecken, Feldgehölze und Ackersäume sind im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft und der Flurbereinigung stark zurück gegangen. Sie spielen aber eine wichtige Rolle als Rückzugsort und Lebensraum für zahlreiche Tier-und Pflanzenarten in der monotonen Agrarlandschaft. Sie tragen zur Verbindung von Biotopen bei und ermöglichen dadurch auch die Wanderung und Verbreitung von Arten zwischenverschiedenen Lebensräumen. Auch schützen Hecken, Feldgehölze aber auch Einzelbäume den Ackerboden vor Erosion durch Wind und tragen entlang von Gewässern zum Schutz vor Düngeeinträgen ins Wasser bei.

 

Zu 9.: Häufig sind Nahrungsmittel mit Qualitätssiegeln ausgestattet. Diese sind jedoch für die Verbraucher oft 58unklar und müssen daher besser erläutert werden. Der Qualitätsstandard der Siegel muss regelmäßig verbessert werden, insbesondere des EU-Bio-Siegels, da dieses ein Maßstab für andere ist.

 

Zu 10.: Agrarimporte schaden regionalen Erzeugern und damit der regionalen Wirtschaft. Außerdem steigern weite Transporte von Lebensmitteln die CO2-Emission.

 

Zu 11.: Bodendegradation führt zum Verlust von nutzbarem Boden, auf dem Nahrungsmittelproduziert werden könnten. Außerdem führt Bodendegradation zu Biodiversitätsverlust, einem erhöhten CO2-Gehalt in der Atmosphäre und geht häufig mit einem Lebensraumverlust einher.

 

Zu 12.: Lebensmittelspekulationen nützen ausschließlich Großerzeugern und Spekulanten. Sie schaden vor allem Kleinbauern. Preissteigerungen gefährden die Nahrungsmittelversorgung insbesondere in Entwicklungsländern. Spekulationen mit Lebensmitteln sind unmoralisch und  müssen streng verboten werden.

 

Zu 13.: Landschaftspflegerische Förderprogramme müssen ausgebaut werden. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit sollen Landwirte auf die Möglichkeiten der Förderung, wie bspw. die Landschaftspflegerichtlinie (LPR), aufmerksam gemacht werden. Diese Förderprogramme dienen dazu, die Natur, Landschaft und Landeskultur aus ökologischer Sicht, als Erholungsraum für den Menschen und als Lebensraum für freilebende Tiere und Pflanzenarten zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln.

Beschlossen auf der Bundesdelegiertenversammlung der NAJU am  12. Oktober 2013 in Karlsruhe. Wir verweisen auf die anderen Positionspapiere der NAJU und auf die Positionen des  Naturschutzbundes (NABU) Deutschland e.V.

Das Positionspapier zum Download

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NAJU-Position_Oekologische_Landwirtschaf
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