Die Yasuní-ITT-Initiative

Eine Jahrhundertchance

Foto: NAJU Bundesverband

September 2007. UNO-Generalversammlung, New York. Der ecuadorianische Präsident, Rafael Correa, tritt vor die internationalen VertreterInnen, um ihnen ein einzigartiges Angebot zu machen: die Yasuní-ITT-Initiative. Es geht um Artenvielfalt. Indigene Völker. Und um Klimaschutz.

 

Der Yasuní-Regenwald ist bedroht

Er spricht von der Yasuní-Region im Osten Ecuadors. Einem Regenwald, der Teil des Amazonasbecken ist. Einem Regenwald, in dem über hunderttausend Tier- und Pflanzenarten zu finden sind, der 1979 von der Regierung zum Nationalpark erklärt wurde und der seit 1989 UNESCO-Weltbiosphärenreservat ist. Einem Regenwald, der geschützt werden muss.

 

Doch der Yasuní-Nationalpark ist bedroht. So befinden sich unter seiner Erde 846 Millionen Barrel Erdöl. Die Förderung und Verbrennung dieses Öls würde zur Zerstörung des Regenwaldareals führen und CO²-Emissionen von bis zu 1,4 Milliarden Tonnen nach sich ziehen – mehr als der gesamte südamerikanische Kontinent in einem Jahr emittiert.

Eingriffe in das Ökosystem des Regenwaldes können einen unabsehbaren Verlust an biologischer Vielfalt bedeuten. Yasuní gehört zu den artenreichsten Gebieten der Erde und ist weltweit einzigartig. Eine intakte Biodiversität ist die Grundlage für alles Leben auf unserem Planeten.

Zudem existieren auf dem Gebiet des Yasuni Regenwaldes zwei indigene Völker. Sie gehören zu den letzten südamerikanischen Ureinwohnern, die in freiwilliger Isolation und auf traditionelle Art im Regenwald leben. Eine Erdölförderung im Yasuní Regenwald könnte die Vertreibung dieser Stämme zur Folge haben.

 

Der Schutz von Artenvielfalt, Klima und Ureinwohnern ist möglich

Die ecuadorianische Regierung will auf die Erdölförderung im Yasuní-Nationalpark verzichten, kann dies aber nur, wenn sie die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft erhält. Aus diesem Grund wurde 2007 die Yasuní-ITT-Initiative ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser Initiative bietet Ecuador an, auf die Hälfte der möglichen Fördereinnahmen zu verzichten.

Als Ausgleich für den Erhalt der Artenvielfalt, die Vermeidung von Treibhausgasemissionen und den Schutz der indigenen Völker soll die internationale Staatengemeinschaft die andere Hälfte, 3,6 Milliarden Dollar, zahlen. Dieses Geld fließt in einen Treuhandfonds, der bei der UNO angesiedelt ist. Es wird ausschließlich für eine nachhaltige Entwicklung Ecuadors eingesetzt, beispielsweise für Aufforstungsmaßnahmen und den Ausbau Erneuerbarer Energien.

 

Die Rolle Deutschlands

International gibt es viel Unterstützung für die Yasuní-ITT-Initiative. Leider gehört die Bundesrepublik Deutschland zu den Staaten, die sich bisher nicht an diesem einzigartigen Projekt beteiligen. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel stellt sich gegen die Initiative, auch aufgrund des Modellcharakters, der andere Staaten mit hoher Artenvielfalt folgen könnten. Der Haushaltsausschuss des Bundestages verweigerte daher am 10. November, mit den Stimmen von CDU und FDP, die Freigabe von Mitteln für die Yasuní-ITT-Initiative.

 

Mit Blick auf die Vorteile und Chancen, die von der Yasuní-ITT-Initiative ausgehen, ist zivilgesellschaftliches Engagement – etwa in Form von Spenden oder Druck auf die Politik - gefragt. Wer mehr Informationen zu dem Thema bekommen möchte, kann diese beispielsweise auf yasuni-itt.gob.ec/ (spanisch), yasuni-itt.de oder saveyasuni.eu finden.

Bild: Geoff Gallice

Fotos: NAJU Bundesverband; Geoff Gallice